Konnex fragt Leonardo Kopp

(Managing Director Switzerland / DQ&A and NMPi (Incubeta Group))
 

Frage: Wie macht sich das Ende des Cookie-Zeitalters bei euch bemerkbar? Gibt es hier Unterschiede zwischen der Schweiz und anderen Märkten, wo ihr als Gruppe tätig seid?

Antwort:
Einerseits haben neue Vorgaben/Anpassungen in den letzten zwei Jahren natürlich immer wieder zu Herausforderungen geführt, was korrekte und einheitliche Zahlen angeht. Andererseits werden natürlich viele Fragen an uns herangetragen, was die aktuelle und zukünftige Situation angeht. In anderen Ländern der Gruppe war das Thema Datenschutz/Cookies schon früher relevant, da wir viele Standorte in der EU haben. Gleichzeitig gibt es auch Länder in Afrika und Amerika, die weniger restriktiv sind. Da für uns aber vor allem die Lösungsansätze von Google relevant sind, betreffen uns viele Entwicklungsschritte global in ähnlichem Umfang.
 

Frage: Was für neue Ansätze sind diesbezüglich von euch geplant? Steht ihr hier im Austausch mit Google und wie verhält sich dieser Grosskonzern gegenüber euch und diesem Thema?

Antwort:
Google ist sich aus unserer Erfahrung immer sehr genau bewusst, was für Implikationen sich aus Gesetzesänderungen ergeben. Weiter ist und war Google immer klar, dass sie gesetzeskonforme Lösungen anbieten müssen – gerade in Anbetracht der Stellung, die der Konzern in der Online-Branche hat. Bezüglich Datenschutz war Google übrigens oft relativ weit – ohne es gross zu kommunizieren. Daten sind für Google so zentral, dass sie sich keine groben Fehler erlauben können/wollen. Die Art der Kommunikation muss man aber manchmal mit etwas Gelassenheit hinnehmen. Oft ist über längere Zeit wenig zu vernehmen, bevor dann kurz vor dem Ende bestimmter Fristen eine “pfannenfertige” und rechtskonforme Lösung dasteht. Mein Vertrauen darin, dass Google für jede dieser Herausforderungen in Zukunft gute Lösungen findet, ist sehr hoch.
 

Frage: Ist eine Lösung bis 2022 realistisch?

Antwort:
Es gibt jetzt schon verschiedene Lösungsansätze. Die Frage ist, ob man mit den Lösungen und den damit verbundenen Anpassungen oder Einschränkungen zufrieden ist. Wenn ein Unternehmen beginnt, fehlende Daten durch Extrapolation vorhandener Daten zu ergänzen, kann das eine Lösung sein – aber die Resultate müssen vielleicht anders gewichtet werden.
 

Frage: Was für einen Einfluss hat die Ablehnung des EU-US Privacy Shield auf eure Arbeit?

Antwort:
Bisher wenig. Google bietet z.B. bei den Cloud-Angeboten gute Lösungen an. Bei anderen Bereichen sind keine oder kaum personenbezogene Daten involviert. Zudem waren sich auch Fachleute in der Schweiz nicht sicher, was diese Ablehnung für die Schweiz kurzfristig bedeutet.
 

Frage: Was muss betreffend Ablehnung des EU-US Privacy Shield beachtet und unternommen werden (für Kunden und für Agenturen)?

Antwort:
Es ist wichtig, dass sich Kunden und Agenturen darüber im Klaren sind, was für Daten sie sammeln, wo diese gespeichert und wohin sie übertragen werden. Dabei sind vor allem die Daten relevant, die klare Rückschlüsse auf Personen zulassen. In der Digitalwerbung arbeiten wir überwiegend mit Daten, die in dieser Hinsicht wenig problematisch sind. Natürlich gibt es eine Grauzone – aber die wird kaum im Vordergrund stehen, wenn es um entsprechende Verstösse geht. Auch das Prinzip der User-Zustimmung (Consent) ist sehr wichtig. Unkontrolliertes Datensammeln im Hintergrund sollte der Vergangenheit angehören.
 

Frage: Was ist dein Ausblick betreffend EU-US Privacy Shield? Was wird sich im Markt diesbezüglich ändern?

Antwort:
Es ist zu erwarten, dass ein neues Abkommen getroffen wird. Die Bedeutung einer stabilen Basis für den Datentransfer zwischen Europa und den USA ist einfach zu gross. Im Markt hat aber eine durchaus positive Veränderung stattgefunden: wir als Werbetreibende und Agenturen müssen viel genauer hinschauen, was für Daten wir sammeln, wie wir die User-Einwilligung einholen und was mit den Daten passiert. Es gibt keinen Raum mehr für eine „Laissez-faire“-Einstellung. Es ist haarsträubend, wie bis vor kurzem teilweise personenbezogene Daten (bei Käufen/Anmeldungen im Internet) behandelt wurden. Das kann/sollte sich heute kein Unternehmen mehr leisten – und das ist gut so.
 

Frage: Wieviel Zeit verbringst du zu Hause im Internet?

Antwort:
Sehr schwierig zu beantworten, da heute fast alles, was ich mache, in irgendeiner Form mit dem Internet zusammenhängt (Home-Office, Nutzen von Streaming-Diensten, News und Kommunikation sowie Upload von Sportdaten oder die Nutzung von eLearning). Auch der neuste Flugsimulator lädt auf Wunsch Gigabytes von Echtzeitdaten herunter. So gesehen wohl um die 12-16 Stunden pro Tag minus bewusste Auszeiten. Aber beim Brettspiel mit den Kindern kann man zum Glück mal ein paar Stunden offline sein.